Indonesien

Auf den Spuren der Orang-Utans durch den Dschungel!

Orang-Utan, Dschungel, Baby

Es war 10 Uhr morgens, als sich die Tür von unserem Flugzeug öffnete. Die tropische Wärme Sumatras empfing uns mit ausgebreiteten Armen. Am Flughafen lief alles reibungslos ab, somit konnten wir unsere Fahrt mit unserem Abholdienst nach Bukit Lawang antreten. Knapp über 100 Kilometer liegt Bukit Lawang von Medan, dem Ort wo wir gelandet sind, entfernt. Die Fahrt ging gefühlt nicht zu Ende. Es ging quer durch Medan und die Straßen wurden merklich schlechter, sobald wir die Stadtgrenze überquerten. Nach knapp 4,5 Stunden Fahrt hatten wir es dann doch geschafft. Willkommen in Bukit Lawang, einem kleinen Ort, direkt am Fluss und am Eingang des Dschungels gelegen.

Wir wurden von den einheimischen am Drop off Point herzlichst begrüßt. Ein Mitarbeiter von unserer Unterkunft holte uns von dort ab. Es ging durch schmale Gassen, einen kleinen Berg bis zum Fluss hinunter. Noch einmal links abgebogen und es lag eine sehr klapprige Brücke vor uns. Vanessa und ich guckten uns kurz in die Augen und waren sehr skeptisch, ob die Brücke uns mit unseren Backpacks tragen würde. Es schaukelte von links nach rechts und man musste gut aufpassen, wo man seine Schritte platzierte. Doch die mit Holzplanken geflickte Brücke hielt Stand.

Das Thomas Retreat Hotel ist super schön gelegen und das Personal empfing uns super freundlich. Wir fühlten uns auf Anhieb wohl. Wir wollten eigentlich noch ein paar Besorgungen für den Dschungeltrip tätigen, doch Petrus hatte einen schlechten Tag erwischt. Es regnete drei Stunden ununterbrochen, sodass wir uns das Schauspiel lieber aus der Lobby anschauten.

Bevor wir am nächsten Morgen unsere drei tägige Tour in den Dschungel Sumatras starteten, gab es erstmal ein leckeres Frühstück im Thomas Retreat mit Toasts und Pancake. Am Abend zuvor hatten wir noch ein kurzes Briefing von Thomas dem Hotelinhaber bekommen. Unsere Gruppe bestand aus einem weiteren Gast und zwei Dschungelguides. Rainbow und Yoga hießen die beiden Naturburschen, die uns die Flora und Fauna Sumatras näherbringen sollten. Wir stapften also den Fluss entlang und bogen nach ein paar Minuten in den Dschungel ab. Das Abenteuer ging los.

Aufgrund des starken Regens am Abend zuvor war alles recht matschig und rutschig, womit wir sehr stark zu kämpfen hatten. Nach maximal einer halben Stunde drehten sich unsere Guides zu uns um und grinsten. „Orang-Utan“, sagten sie im Einklang. Nach so kurzer Zeit, wir konnten es kaum glauben. Kamera raus und den Moment genießen. In einer Baumkrone saß eine Mutter mit ihrem -Jungen auf dem Bauch. Es war ein tolles Gefühl diese Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten.

Der Weg durch den Dschungel sollte sich schwieriger gestalten als wir im Voraus vermutet hatten. Teilweise grenzten die Aufstiege an Free Climbing und das feuchte Wetter verbesserte die Situation nicht unbedingt. Besonders Vanessa hatte mit ihren Schuhen Schwierigkeiten die Balance zu halten. Zum Glück war der Teamgeist sehr groß und wir unterstützten uns alle gegenseitig.

Die nächsten Affen sollten nicht lange auf sich warten lassen. Ein weiterer Orang-Utan gefolgt von Thomas Leaf Affen bekamen wir zu sehen. Man hatten wir ein Glück! Nach so kurzer Zeit haben wir schon so tief in die Tierwelt eintauchen dürfen. Um ca. 11 Uhr gab es den ersten größeren Stopp. Unsere Tourguides überraschten uns mit einem Früchtebuffet vom Feinsten. Gestärkt und voller Entdeckergefühle bahnten wir unseren Weg weiter durch den Dschungel. Rainbow und Yoga erzählten uns sehr viel über die einzelnen Bäume, Pflanzen und anderen Lebewesen, die wir am Wegesrand vorfanden. Es ist sehr interessant, wie sich die Einheimischen aus der Natur zu helfen wissen.

Der nächste Orang-Utan auf dem Weg wird mir nicht so schnell aus dem Gedächtnis gehen. Wir gingen an einem schmalen Abhang entlang und auf einmal saß Mutter Orang-Utan mit ihrem Jungen im Baum vor uns. Rainbow ging vor, um die Lage zu prüfen. Ich holte meine Kamera raus, um ein paar Schnappschüsse zu machen. Auf einmal drehte sich die Orang-Utan Dame und kam auf mich zu. Ich versuchte schnell das Weite zu suchen, war aber nicht schnell genug. Sie packte mich am Rucksack. Man hatte die Kraft! Zum Glück ging Yoga dazwischen und sie ließ schnell von mir ab. Mein Herz raste und das Adrenalin schoss durch meinen Körper. Es war eine angsteinflößende Situation, aber gleichzeitig auch sehr aufregend. Alle atmeten tief durch und wir gingen weiter.

Nach zwei weiteren Stunden war Mittagszeit. Eigentlich waren wir noch von den Früchten satt, aber man weiß ja nie, wann man die nächste Mahlzeit im Dschungel bekommt. Es gab Nasi Goreng – ein typisches Gericht in Indonesien. Ein Affe gesellte sich zu uns, wurde aber von Zeit zu Zeit immer aggressiver und wollte endlich etwas zu Essen abhaben. Unsere Guides hatten ganz schön mit ihm zu kämpfen, hatten die Situation aber vollkommen unter Kontrolle. Durch das feucht nasse Wetter, gingen Vanessa und mir aber besonders die Blutegel auf die Nerven. Ständig musterten wir unsere Knöchel und waren froh, wenn wir nur Matsch vorfanden.

Die nächsten Affen, die unseren Weg kreuzten waren die White Hand Gibbons. Weit oben in den Baumkronen schwangen sie sich von Ast zu Ast und machten den Eindruck, als könnten sie die Schwerkraft außer Kraft setzen. Die weißen Hände konnte man trotzdem gut erkennen.

Die nächste heikle Situation ließ nicht lange auf sich warten. Der „Rockstar“ Orang-Utan, auch Mina (weibl.) genannt, genoss auf unserem Trail ein paar Früchte. Mit einem kurzen aber scharfen Blick zeigte sie uns, dass sie uns wahrgenommen hatte. Rainbow und Yoga weißten uns darauf hin, dass wir jetzt sehr vorsichtig sein müssen. Mina ist nämlich eine Draufgängerin und kann schon mal ausflippen. Tolle Einleitung in diese Situation. Als wenn wir nicht schon genug Aufregung gehabt hatten. Der Puls ging also gleich mal wieder in den roten Bereich. Zum Glück konnten wir ohne große Probleme an ihr vorbeigehen. Als wir jedoch knapp 10 Meter fortgeschritten waren, schwang sie sich von ihrem Ast auf den Boden und verfolgte uns. Die beiden Guides stellten sich zwischen Mina und uns. Wir gingen schnell weiter um etwas Distanz aufzubauen. Nach gut 30 Metern hatte der Rockstar wohl keine Lust mehr und schaute uns nur noch nach. Die Erleichterung bei Vanessa und mir war zu spüren. Schnell noch ein Foto von weitem geknipst und weiter ging es.


Das Camp, in dem wir übernachtet haben, war nicht mehr weit. Der Abstieg dorthin war allerdings nochmal ziemlich rutschig und anstrengend. Zur Belohnung konnten wir sofort in den Fluss springen, der sich seinen Weg durch das Tal bahnte. Im Wasser liegend und mit Blick gen Himmel genossen wir die Ruhe. Um uns herum war der Dschungel, man hörte die Geräusche der Tiere und Regentropfen prasselten in unsere Gesichter. Nach dieser herrlichen Erfrischung richteten wir unseren Schlafplatz ein. Einen Unterstand durften wir für diese Nacht unser zu Hause nennen. Drei Wände waren geschlossen. Die Front war nur halb geschlossen, sodass gut ein Meter bis zum Dach offen war. Zum Glück hatten wir ein Moskitonetz über unseren Matratzen hängen. Das Netz bot zumindest etwas Schutz und diesen konnten wir mental auch gut gebrauchen! Unsere Guides kochten unser Abendessen und gemeinsam ließen wir bei Speis und Trank den Abend ausklingen. Vanessa hat der Tag leider relativ doll zugesetzt und wir sprachen provisorisch mit dem Tourguide, ob es möglich wäre die Tour auch schon am nächsten Tag zu beenden. Glücklich war er nicht, aber konnte die Beweggründe verstehen. Es war einfach zu matschig und rutschig und wir hatten nicht die richtige Ausrüstung für dieses Szenario dabei.

Vor dem Schlafen gehen, sagten die Guides, dass evtl. Affen in der Nacht ins Camp kommen könnten. Wir sollen unsere Sachen mit ins Bett unter das Moskitonetz nehmen. Wir drei Teilnehmer guckten uns verdutzt an und dachten nur AFFEN? Ein sehr beruhigendes Gefühl, wenn man die erste Nacht im Dschungel schläft. Nochmal zur Erinnerung, wir hatten im Grunde nur ein Moskitonetz zum Schutz.
Die Nacht brach an und es wurde dunkler und dunkler. Man konnte die eigene Hand nicht mehr vor Augen sehen, der Dschungel war aber noch aktiv gut zu hören. Vanessa und ich hatten beide ziemlich Schiss, dass wir in der Nacht Besuch bekommen würden. Vanessa hatte sogar nach gut einer Stunde im Bett schon das Gefühl, dass in der pechschwarzen Dunkelheit etwas in unserem Unterstand war. Zumindest hat ihr etwas in den großen Onkel gekniffen. Wir beide waren ziemlich beunruhigt und fanden kaum in den Schlaf. Vanessa hatte es leider gar nicht geschafft und war die ganze Nacht wach. Auch so eine Erfahrung gehört zu einer Reise dazu. Wir wollten unsere Grenzen austesten.


Der Regen vom Vorabend hat den Dschungel leider noch mehr aufgeweicht und somit fassten Vanessa und ich den Entschluss die Tour nach einer Übernachtung im Freien abzubrechen. Es war kein einfacher Entschluss, aber eine Verletzung könnte unsere ganzen Reisepläne in Gefahr bringen. Die Tourguides nahmen diese Entscheidung verständnisvoll entgegen und informierten ihr Team über diese Entscheidung. Gemeinsam brachen wir nach dem Frühstück auf. Vorbei an der Lieblingsstelle von Mina (dem Dschungel Rockstar Orang-Utan), die zum Glück noch nicht wach war und somit konnten wir unseren Weg ohne weiteren Zwischenfall fortführen. Kurze Zeit darauf hieß es getrennte Wege zu gehen. Neal, der andere Teilnehmer, machte sich mit Yoga auf den Weg zum nächsten Camp. Rainbow kam mit Vanessa und mir zum Fluss, wo wir unser Wildwasserrafting zurück nach Bukit Lawang starten sollten. Auf dem Weg dorthin begegneten wir wieder dem Orang-Utan der mich am Vortag gepackt hatte. Sie kam immer näher und stoppte ca. 10 Meter vor uns in einem Baum. Vanessa war etwas mulmig zu Mute und so entschlossen wir uns weiterzugehen. Die Orang-Utan Dame verfolgte uns noch gute zwei Minuten, bis wir im Dickicht verschwanden.


Am Fluss angekommen, mussten wir noch 15 Minuten warten bis der zweite Kapitän für das Rafting erschien. Das Floß bestand aus drei zusammengebundenen Ringen aus Kautschuk. Ein großer Ring in der Mitte für Vanessa und mich, Rainbow und sein Co-Kapitän nahmen in den anderen Ringen Platz. Es ging los, eine Stromschnelle folgte der anderen und die Fahrt war sehr erfrischend. Das eiskalte Wasser schwappte immer wieder über und wir bekamen öfters eine Dusche ab. Die Abfahrt dauerte ca. 30 Minuten ehe wir wieder am Thomas Retreat Hotel ankamen. Zum Abschluss gab es noch ein Mittagessen. Dazu genossen wir ein kühles Bintang Radler in der Mittagssonne und waren unendlich glücklich wieder in Bukit Lawang angekommen zu sein.

4 Gedanken zu „Auf den Spuren der Orang-Utans durch den Dschungel!

  1. Tolle Bilder, interessante Reiseberichte. Ihr macht es richtig ! Weiterhin viel Spaß und viele neue Eindrücke. Freue mich auf mehr. Bleibt gesund.

  2. Liebe Vanessa, lieber Kolja,
    vielen Dank für die tollen und spannenden Reiseberichte!
    Wir wünschen euch für die weitere Reise alles Gute und noch viele neue und interessante Erlebnisse. Wir freuen uns auf eure Berichte.
    Liebe Grüße Astrid & Wolfgang

  3. Hallo ihr zwei, das ist ja Abenteuer pur was ihr da erlebt habt. Die Bilder, die Eindrücke und euer Bericht.
    Weiterhin ganz viele Erlebnisse und schön auf euch aufpassen. LG o+t

  4. Hey Ihr Beiden,

    tolle Bilder und Eindrücke wieder von Euch. Zumindest das Klima kann ich nachvollziehen. Bin auf Euren Spuren jetzt. Mich hat das feuchtheisse Tropenklima nun auch in Singapore empfangen. Morgen geht’s weiter nach Malaysia.

    Wünsch Euch weiterhin viel Spaß und alles Gute.

    Gruß Jeddy

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